Einfaches Bauen unter sich verändernden Bedingungen
Auf der schmalen Parzelle einer Ferienhaussiedlung aus den 1950er‑Jahren ersetzte ein Neubau den hochwassergefährdeten Bestand. Da eine Sanierung das strukturelle Überflutungsrisiko nicht hätte lösen können, wurde ein Ersatzneubau mit um 90 cm über der Erde aufgeständertem Hauptgeschoss errichtet. So bleibt der Boden weitgehend unversiegelt, Versickerung und Verdunstung sind weiterhin möglich und entlasten das Grundstück bei Starkregen und Hochwasser.
Haus und Garten: die Loggia als Schwelle
Die zweigeschossige Loggia an der Nordseite richtet sich zum Teich und stellt die räumliche Schwelle zwischen Wohnraum und Garten dar. Vom 90 cm über dem Erdreich schwebenden, wettergeschützten Aussenraum sieht man in den wilden Garten um den Teich. Als konstruktiv integrierter Zwischenraum bildet sie ein zentrales Element in der Organisation des Hauses. Öffnungen und Vordächer sind so aufeinander abgestimmt, dass der sommerliche Wärmeschutz passiv funktioniert.
Konstruktion und Materialwahl: nachwachsend, sortenrein und rückbaubar
Die Tragstruktur besteht aus massiven Holzdielen, die zu Holzrahmen zusammengeschraubt werden. Die Gebäudehülle mit Stroheinblasdämmung sorgt durch die hohe Masse und gute Feuchteaufnahme für gedämpfte Temperaturschwankungen und eine Verdunstungskühlung im Sommer. Wenige, langlebige und sortenreine Materialien ermöglichen Rückbau und Wiederverwendung. Einheimische Hölzer bleiben in ihrer natürlichen Oberfläche sichtbar, als Bodenbelag kommt ein einfarbiges Linoleum auf modular eingebautem, demontierbaren Unterlagsboden zum Einsatz.
Grundriss und Nutzung: kompakt und flexibel
Das Herz der Wohnung bildet die großzügige Wohnküche mit direktem Bezug zur Loggia und zum Garten. Die Individualräume sind im Obergeschoss angeordnet und richten sich in die unterschiedlichen Himmelsrichtungen aus. Eine kleine Einliegerwohnung im Erdgeschoss ergänzt die klassische Familienwohnung und bietet einen Wohn- oder Atelierraum auf kleiner Fläche. Technik- und Lagerflächen sind in einem ungedämmten Anbau untergebracht.
Gebäudetechnik: reduziert und im Verbund
Die Haustechnik ist bewusst einfach gehalten. Ein bestehendes Erdregister wird in Kombination mit einer Wärmepumpe weitergenutzt. Eine großzügige solare Stromerzeugung deckt den Eigenbedarf und unterstützt den Wärmepumpenbetrieb, perspektivisch auch im Verbund mit benachbarten Gebäuden.